Hämophilie, HIV, Hepatitis C und Colitis Ulcerosa: Mein Leben war oft ein extremer Kampf. Doch egal wie
schwer die Schicksalsschläge waren – Aufgeben war für mich nie eine Option.
Tauche ein in meine Geschichte und erfahre, wie ich dem Schicksal die Stirn biete und mir meine
Lebensfreude bewahre.
Wähle selbst, wie tief du eintauchen möchtest:
Die knackige Kurzfassung (ca. 7–8 Min.) oder die persönliche, ausführliche Fassung (ca.
25–30 Min.).
Die Kurzfassung (ca. 7–8 Min.)
Diagnose Hämophilie
Als ich 1969 geboren wurde, wussten meine Eltern nichts von meiner Hämophilie. Meine Grossmutter
bemerkte jedoch die vielen blauen Flecken an meinem Körper. Damals galten solche Verletzungen
bei Jungen als normal.
Doch mit zwei Jahren geschah etwas Dramatisches: Ich fiel nachts aus meinem Bett und stürzte mit
dem Kopf auf das Parkett. Bewusstlos fand man mich auf dem Boden. Der Verdacht auf eine
Hirnblutung führte uns ins Kinderspital Zürich, wo die Hirnblutung bestätigt und eine weitere
Diagnose gestellt wurde: schwere Hämophilie A.
Erste Hürden
Nach einer lebensrettenden Operation war ich rechtsseitig gelähmt. Ein Teil meiner Schädeldecke
wurde erst Wochen später wieder eingesetzt. Jahrelang schützte ein Lederschutzhelm meinen Kopf,
da die Schädeldecke nicht mehr zusammenwuchs. Nur durch intensive Therapien konnte ich ein
annähernd normales Leben führen.
Eine schwere Kindheit
Meine Schulzeit war von Ausgrenzung geprägt. Wegen meiner gesundheitlichen Einschränkungen durfte
ich an vielen Aktivitäten nicht teilnehmen. Mitschüler verspotteten mich oder ignorierten mich –
eine harte Zeit, die mich jedoch innerlich stärkte.
Ein Wendepunkt
Mit 16 Jahren erhielt ich eine Kunststoff-Schädeldecke. Endlich konnte ich den Lederhelm ablegen
und mich wie ein normaler Teenager fühlen. Doch kurz danach erschütterte eine weitere Nachricht
mein Leben: Ich wurde durch Blutprodukte, die ich zur Behandlung meiner Hämophilie benötigte,
mit HIV infiziert.
Die HIV-Diagnose
Die Nachricht traf mich wie ein Schlag: «Daniel, du bist HIV-positiv», teilte mir der Arzt mit.
Das lebenswichtige Medikament, Faktor VIII, hatte das Virus übertragen. Mein Leben brach
zusammen. Traurigkeit, Frustration und der Gedanke, dass alles sinnlos sei, bestimmten meine
Tage. Doch trotz des Schmerzes kämpfte ich weiter.
Neuer Lebensmut
Ich begann eine Ausbildung und arbeitete später im Verkauf. 1988 starb meine Mutter an Krebs.
Doch in diesem Jahr lernte ich auch Barbara kennen, die mein Leben bereicherte. Mit ihrer
Unterstützung begann ich, wieder Hoffnung zu schöpfen.
Herausforderungen
1996 verschlechterten sich meine Blutwerte dramatisch. Eine Therapie brachte Besserung, auch wenn
die Nebenwirkungen stark waren. Im selben Jahr heiratete ich Barbara und verfasste vorsorglich
mein Testament. Glücklicherweise stabilisierte sich mein Zustand dank der Medikamente. Später
folgte eine erfolgreiche Therapie gegen Hepatitis C, eine weitere Folge durch verseuchte
Blutspenden. Doch immer wieder tauchten neue gesundheitliche Probleme auf, wie eine
chronisch-entzündliche Darmentzündung (Colitis Ulcerosa), die meinen Alltag stark einschränkt.
Aktuelle Situation
Mein Leben ist geprägt von Untersuchungen, Medikamenten und der Suche nach Stabilität. Trotz
allem versuche ich, das Beste daraus zu machen. Meine Frau Barbara, meine Tiere und kleine
Alltagsfreuden geben mir Halt. Auch wenn ich viele Hobbys aufgeben musste, suche ich immer nach
Wegen, mein Leben sinnvoll und erfüllend zu gestalten.
Dazu gehört auch die Pflege dieser
Webseite, um Aufklärungsarbeit zu leisten, Neuinfektionen zu verhindern und anderen Betroffenen
Mut zu machen, nicht aufzugeben!
Rückblick und Ausblick
Im Laufe der Jahre musste ich den Verlust geliebter Menschen verkraften, nun bin ich von der
Familie Planzer der letzte Stammhalter. Trotz allem bleibe ich stark und lasse mich nicht
unterkriegen. Zitate wie «Zwingt uns das Leben in die Knie, haben wir die Wahl, aufzustehen oder
liegen zu bleiben» begleiten mich und geben mir Kraft.
Ich teile meine Geschichte, um zu zeigen, dass selbst in schweren Zeiten Hoffnung und
Lebensfreude möglich sind. Auch wenn mein Körper mir Grenzen setzt, lebe ich mit dem Ziel, das
Beste aus jeder Situation zu machen.
Grüsse,
Daniel Paul Planzer
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Fassung
Die ausführliche Version (ca. 25–30 Min.)
Aufgeben gibt es nicht!
Meine Eltern waren stolz und überglücklich, als ich 1969 als ihr Sohn das Licht der Welt erblickte.
Zu diesem Zeitpunkt ahnte niemand, dass ich mit der Hämophilie*
geboren wurde. Erst meiner Grossmutter fielen im Alltag die vielen blauen Flecken auf meiner Haut
auf – doch damals meinte man noch, bei einem aufgeweckten Jungen seien solche Blessuren völlig
normal.
Die Wende kam in einer unvergesslichen Nacht, als ich etwa zwei Jahre alt war. Vom Durst geweckt,
versuchte ich auf eigene Faust über das hohe Holzgitter meines Kinderbettes zu klettern. Ich verlor
den Halt und stürzte ungebremst mit dem Kopf auf den harten Parkettboden. Als meine Eltern ins
Zimmer eilten, lag ich reglos und bewusstlos da. Unser herbeigerufene Hausarzt vermutete sofort eine
lebensgefährliche Hirnblutung und drängte darauf, mich auf der Stelle nach Zürich zu transportieren.
Da meine Eltern damals kein eigenes Auto besassen, sprang zum Glück ein hilfsbereiter Nachbar ein
und fuhr uns mitten in der Nacht ins Kinderspital Zürich.
An dieser Stelle geht ein grosser Dank an Herrn Schraven, welcher den Transport damals rasch
ermöglicht hat.
Dass er gefahren ist, erfuhr ich 2026 von seinem Sohn bei einem Gespräch. Weshalb man damals nicht
mit der Ambulanz nach Zürich fuhr, kann ich nicht mehr nachvollziehen.
Leider sprachen wir in der Familie selten über das Ereignis, und heute ist es nicht mehr möglich,
darüber zu sprechen – doch dazu etwas später.
Hirnblutung
Nach einer langen Operation hatte ich endlich das Schlimmste überstanden. Der Arzt stellte fest, dass
ich an schwerer Hämophilie A litt und infolge des Eingriffs auf der rechten Seite gelähmt war. Ein
Teil meiner Schädeldecke wurde erst einige Wochen später wieder eingesetzt, um Komplikationen wie
einen Überdruck im Gehirn zu vermeiden. Da dieser Bereich nicht mehr mit meiner Schädeldecke
zusammenwachsen konnte, trug ich jahrelang einen robusten Lederschutzhelm, um meinen Kopf zu
schützen. Nur durch intensive Therapien gelang es mir, ein annähernd normales Leben zu führen.
Volksschule
Meine Eltern setzten damals alles daran, dass ich trotz meiner Erkrankung eine ganz normale
Volksschule besuchen konnte. Sie gaben sich enorm viel Mühe, die Lehrpersonen und die Schulleitung
umfassend aufzuklären, damit im Alltag kein Unfall passierte.
Aus Sicherheitsgründen war der Sportunterricht für mich jedoch komplett gestrichen – während die
anderen Turnen hatten, hatte ich jeweils frei.
Leider ist mir diese Zeit dennoch in keiner guten Erinnerung geblieben. Durch meine Sonderstellung
und die vielen Einschränkungen entstand eine Distanz zu den anderen Kindern. Viele Mitschüler
reagierten mit Unverständnis, schlossen mich aus oder verspotteten mich – eine Erfahrung, die mich
damals sehr schmerzte.
Die Nachricht!
Die Operation, bei der meine Schädeldecke mit Kunststoff verschlossen wurde, markierte den Beginn
eines neuen Lebensabschnitts. Mit sechzehn Jahren konnte ich endlich den Lederhelm ablegen und mich
wie ein ganz normaler Teenager fühlen. Diese Operation beendete eine beinahe endlose Zeit der
Einschränkungen.
Der grosse Eingriff wurde bewusst während der Sommerferien durchgeführt, damit ich möglichst wenig
Unterricht im Schulzimmer verpasste.
Anfangs war es ein ganz komisches Gefühl, plötzlich ohne Helm aus dem Haus zu gehen – es fühlte sich
fast so an, als würde etwas fehlen. Doch ich gewöhnte mich rasch daran und genoss die neue Freiheit
in vollen Zügen. Sogar mit verschiedenen Frisuren begann ich zu experimentieren, was meinen Eltern
zwar nicht immer gefiel, für mich aber ein Stück gewonnene Normalität bedeutete.
Der Brief vom Arzt
Meine Eltern erhielten nach einer ausserordentlichen Kontrolle im Kinderspital Zürich einen
Brief.
Den Inhalt des Briefes kannte ich damals nicht. Was ich jedoch noch in Erinnerung habe, war
Folgendes:
Originaltext des Arztes
"Liebe Familie Planzer
Von der letzten Blutentnahme habe ich drei gute und eine schlechte Nachricht für Sie: Den
schlechten Bericht voraus nehmend, muss ich Ihnen leider mitteilen, dass bei Daniel Paul Planzer
die Untersuchung auf anti-HIV positiv ausgefallen ist. Dies bedeutet, dass mit den verschiedenen
Blutprodukten einmal auch das Virus übertragen wurde, welches im extremen Fall die erworbene
Immunschwäche Aids* verursacht. Wie Sie wissen, ist dieses Risiko bei Hämophilie* bis vor sehr
kurzer Zeit gross gewesen, und wir bedauern, dass die Infektion bei Daniel eingetreten ist.
- Bei Patrick dagegen ist die Untersuchung negativ ausgefallen.
- Wir haben diese Situation in letzter Zeit natürlich mehrfach erlebt; sie wirft zahlreiche
Fragen auf, die in dem mitgeschickten Merkblatt diskutiert werden.
Ich würde vorschlagen,
dass Sie diese Information genau lesen und sich kurze Zeit danach noch einmal bei uns für eine
Besprechung melden. Viele persönliche Fragen, die in dieser Situation auftauchen, können nur im
Gespräch mit einem erfahrenen Arzt beantwortet werden. Ich stehe Ihnen gerne für diese
Besprechung zur Verfügung, bitte melden Sie sich dafür bei meiner Sekretärin.
Die drei guten Nachrichten sind demgegenüber einfach: Die eine habe ich erwähnt, nämlich, dass
Patrick der Aids-Test* negativ ausgefallen ist. Die beiden anderen betreffen die Hepatitis B und
sind an sich nicht neu, da wir diese Untersuchungen schon früher durchgeführt hatten. Wir können
bestätigen, dass beide Knaben gegen die Erkrankung an Gelbsucht geschützt sind.
Ich erwarte also gerne ihre Anmeldung zu einer weiteren Besprechung. Bei dieser Gelegenheit
würde ich vorschlagen, dass wir bei Daniel die Blutentnahme wiederholen, um ganz sicher zu sein.
Der Test ist an sich sehr zuverlässig, aber die Verwechslung einer Blutprobe könnte immerhin
doch vorkommen, und diese Möglichkeit möchte ich mit einer Wiederholung der Untersuchung
ausschliessen.
Mit freundlichen Grüssen
Prof. W.H. Hitzig."
Vermerk
Am 14. Februar 2006 las ich diesen Brief zum ersten Mal, da ich mehr über die damaligen Ereignisse
erfahren wollte, um mich besser auf meine Arbeit in der AIDS-Prävention vorzubereiten. Ich fand den
Brief im Archiv des Kinderspitals Zürich.
Als ich den Inhalt des Briefes las, kamen mir die Tränen und mir wurde erneut bewusst, wie schwer es
meine Eltern gehabt haben müssen. Die Vorstellung, mit ihrem Sohn nach Zürich zu reisen und diese
schockierende Nachricht zu hören, war für sie eine unvorstellbare Belastung.
Der Weg nach Zürich
Kurz nach der ausserordentlichen Untersuchung mussten wir wieder nach Zürich.
Meine Eltern waren bedrückt und besorgt – ja, meine Mutter weinte während der Fahrt nach Zürich
heimlich, das habe ich damals bemerkt.
Im Büro des Oberarztes wurde mir dann mitgeteilt: «Daniel, du bist HIV-positiv!»
Prof. Hitzig teilte mir mit schwerem Herzen mit, wie es zur Ansteckung gekommen war: Ausgerechnet das
lebenswichtige Blutgerinnungsmedikament Faktor VIII, das aus Spenderblut hergestellt wurde, hatte
das Virus übertragen.
Meine Welt brach zusammen. Ich konnte nur noch fragen: «Warum, warum ausgerechnet ich?»
Ich fiel in ein tiefes Loch, brauchte viel Zeit und dachte über den Sinn des Lebens nach.
Traurigkeit, Einsamkeit und Frustration begleiteten mich. Das Leben erschien mir sinnlos, und ich
verspürte nur noch einen stechenden, tiefen Schmerz.
«Ist das Leben zu Ende?» fragte ich mich oft.
Neuer Mut
Doch Aufgeben war für mich keine Option. Ich hatte in meinem Leben schon so viele Hürden gemeistert,
dass ich mir schwor: Ich werde auch gegen dieses Virus kämpfen und mich nicht unterkriegen lassen!
Ich begann eine Ausbildung als Schreibmaschinen-Mechaniker, arbeitete jedoch später im Verkauf in der
Unterhaltungselektronik.
Unendliche Trauer
Ich denke, all die Dinge, die wir erlebt haben, waren für meine liebe Mutter Marie-Therese
schlussendlich zu viel. Sie verstarb im Jahr 1988 an Krebs und hinterliess eine unendliche Lücke in
meinem Leben.
Grossartiger Mensch
Im selben Jahr lernte ich Barbara kennen, die mich in dieser schweren Zeit unterstützte. Barbara
führte damals noch ein wichtiges Gespräch mit meiner Mutter. Dabei sagte meine Mutter zu ihr: «Schau
gut zu Daniel, denn ihm ist gar nicht bewusst, wie krank ich bin.»
Barbara und ich mieteten bald eine kleine Wohnung und gingen fortan gemeinsam durchs Leben.
Kritische Lage
Anfang 1996 fielen meine Blutwerte plötzlich bedrohlich ab. Vor Beginn der neuen Behandlung
begleitete mich ständig die lähmende Angst, dass jeder Tag mein letzter sein könnte. In dieser
Ungewissheit traf ich eine wichtige Entscheidung: Ich wollte abgesichert sein und meine Liebsten
geschützt wissen. Deshalb heiratete ich Barbara am 2. Februar 1996 und verfasste vorsorglich mein
Testament.
Lebensversicherung
Schliesslich begann die neue Therapie. Glücklicherweise schlug das Medikament nach einiger Zeit an
und meine Werte begannen sich langsam zu stabilisieren. Obwohl die Nebenwirkungen enorm stark waren,
lernte ich, sie zu akzeptieren. Die täglichen Pillen wurden zu meiner persönlichen
Lebensversicherung – und gaben mir die Hoffnung und den Mut zurück, wieder positiv in die Zukunft zu
blicken.
HIV war nicht genug
Meine Leberwerte stiegen bedrohlich an, da ich zusätzlich mit Hepatitis C zu kämpfen hatte.
Glücklicherweise wurde genau zu dieser Zeit eine neue Therapie zugelassen, mit der ich sofort
begann. Trotz der heftigen Nebenwirkungen hielt ich tapfer durch. Dann kam die erlösende Nachricht:
Die Behandlung war erfolgreich und ich hatte Hepatitis C besiegt.
Leider nicht lange beschwerdefrei
Doch die Erleichterung währte nicht lange. Bald darauf begannen mich Blutungen im Stuhl zu
beschäftigen – anscheinend eine Folge des monatelangen, intensiven Durchfalls während der
48-wöchigen HCV-Therapie. Mein Darm wurde durch diese extremen Nebenwirkungen stark in
Mitleidenschaft gezogen. Es folgten weitere Untersuchungen, um die Ursache zu ermitteln und eine
passende Behandlung zu finden.
Diagnose CED
Es scheint einfach nicht aufzuhören. Gerade wenn ich denke, dass eine Sache besser wird, taucht eine
neue Herausforderung auf. Die chronische Darmentzündung scheint sich bei mir als ständiger Begleiter
einzunisten, und trotz der Vielzahl an Medikamenten, die ich ausprobiert habe, gelingt es uns nicht,
diese Infektion zu stoppen. Mir wurde geraten, Geduld zu haben.
Deshalb habe ich beschlossen, zu einem anderen Darm-Spezialisten zu wechseln.
CED bestimmt den Tag
Jeder hat es mitbekommen und wir sind alle betroffen: Corona hat auch die Schweiz erreicht.
Unsicherheit und Angst herrschen, der Bundesrat ist fast täglich im Fernsehen zu sehen und immer
neue Bestimmungen bremsen unseren Alltag aus. Der Lockdown hat uns alle bis an unsere Grenzen
gefordert.
Für mich ist das Zuhause bleiben nichts Neues, denn aufgrund meiner Darmsituation verlasse ich das
Haus nur noch für ein paar Stunden pro Woche, zum Beispiel für den Einkauf. Viele meiner Hobbys kann
ich momentan nicht ausüben.
Auch auswärts essen wird zunehmend schwieriger, deshalb geniessen wir gelegentlich unser Essen zu
Hause über Catering oder Take-away.
In der Zwischenzeit habe ich zahlreiche Untersuchungen hinter mir und wir versuchen, die Situation
mit anderen Medikamenten etwas zu stabilisieren. Neu wird auch mein Immunsystem durch Medikamente
unterdrückt, um die Entzündungen im Darm zu verbessern oder zumindest stabil zu halten.
Mein Alltag im April 2021 besteht aus vielen Toilettenbesuchen, Völlegefühl, Bauchschmerzen und
Wechseln zwischen Kälte- und Wärmegefühlen. Es macht nicht besonders viel Spass, aber im Moment gibt
es keine andere Option. Barbara ist mein Sonnenschein und meine Tiere geben mir Sinn und erfreuen
meinen Alltag.
Infusion statt Pillen
Wir schreiben Samstag, den 7. August 2021, und der Sommer ist verregnet, was die Stimmung gedämpft
hat. Wir alle sehnen uns nach Sonnenschein und einem erfrischenden Bad im See.
Davon kann ich jedoch nur träumen, denn seit zwei Jahren war ich nicht mehr im See schwimmen, obwohl
ich direkt am See wohne. Der Grund dafür ist mein Darm.
Am vergangenen Donnerstag war ich zum ersten Mal in der Tagesklinik Hirslanden am Bahnhof Luzern für
eine Infusion, da auch das Medikament Imurek nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat. Jetzt
bekomme ich tröpfchenweise ein neues Medikament in die Venen verabreicht.
Ich hoffe, dass dies eine Verbesserung meiner Situation bewirken wird. Daher werde ich nun häufiger
in Luzern anzutreffen sein, zumindest am Bahnhof.
Erleichterung und Trauer
Es ist fast Jahresende und dank der Medikamente kann ich mich wieder freier bewegen, da sich mein
Darm endlich ruhiger verhält. Es scheint, dass die Infusionen wirken.
Dennoch bleibt die Angst bestehen, und wenn ich das Haus verlasse, muss ich immer darauf vorbereitet
sein, inklusive Ersatzkleidung für den Fall des Unerwarteten.
Als meine Taufpatin am 6. Oktober verstarb, besprach ich noch am Telefon mit meinem Vater, wie wir
gemeinsam zu ihrer Urnenbeisetzung reisen würden. Dazu sollte es jedoch nicht mehr kommen, denn am
15. Oktober 2021 verstarb mein Vater ganz plötzlich.
Zusammen mit dem schmerzlichen Verlust meines Bruders Patrick am 21. Juni 2020 stehe ich heute als
letzter Stammhalter der Familie Planzer da.
Das Leben zeigt uns, dass Freud und Leid oft sehr nah beieinander liegen.
Schmerzen im Bauchraum
Am 7. Dezember hatte ich den ganzen Tag über starke Bauchschmerzen und musste schliesslich ins
Krankenhaus. Nach eingehenden Untersuchungen wurde festgestellt, dass ich Gallensteine hatte und
operiert werden musste. Da die Steine zu gross waren, musste mein Bauch geöffnet werden. Dabei
wurden nicht nur die Steine entfernt, sondern auch die Gallenblase, da sie durch die Steine stark
beschädigt war. Die Wunde heilte gut, aber es dauerte eine Weile, bis ich mich vollständig erholt
hatte.
Es ist jetzt der 10. Oktober 2022, und ich verbringe viel Zeit in der Wohnung wegen des heissen
Sommers. Schwimmen im See ist keine Option aufgrund meiner Situation. Auch wenn der Bademeister mir
anbietet, ausserhalb der Öffnungszeiten zu schwimmen, lehne ich dankend ab, schätze aber seine
Fürsorge.
Besser, aber nicht gut
Inzwischen mussten wir das Infusionsintervall von acht auf sechs Wochen verkürzen, und auch die Dosis
wurde erhöht. Leider sind meine Beschwerden, wie häufige WC-Besuche und Blut im Stuhl,
zurückgekehrt. Heute, am 1. Dezember 2024, arbeite ich gerade an unserer neu überarbeiteten
Webseite.
Vor einiger Zeit hatte ich eine weitere Untersuchung – eine Darmspiegelung. Dabei wurde festgestellt,
dass mein Dickdarm nach wie vor entzündet ist. Zum Glück haben sich keine Polypen gebildet. Das sind
Ausstülpungen im Darm, die ein Risiko für Darmkrebs darstellen und entfernt werden müssten, wenn sie
auftreten.
Leider ist der Entzündungswert im Stuhl seither weiter gestiegen – höher als jemals zuvor. Deshalb
soll ich neben den Infusionen in Luzern nun zusätzlich täglich Salofalk 1000 rektal anwenden. Das
Medikament kenne ich schon von früher: Es handelt sich um einen Schaum, der abends mithilfe von
Luftdruck in den Darm eingeführt wird.
Idealerweise sollte der Wirkstoff über Nacht im Darm bleiben und dort wirken. Das klappt bei mir
jedoch nicht immer, da das Gas im Schaum ein unangenehmes Druckgefühl auslöst – ähnlich wie bei
starkem Stuhldrang. Oft muss ich schon nach kurzer Zeit wieder zur Toilette, wodurch der Schaum
seine Wirkung nicht vollständig entfalten kann.
Wir alle haben genug
Ich liebe den Sommer, aber was zu viel ist, ist zu viel: 27° in der Wohnung, jeden Tag neue
Hitzerekorde, dazu Trockenheit und überall Brände in Europa.
Doch eines war schön: Ich konnte fast jeden Morgen, wenn um 9:30 Uhr die Badi Arth aufging, schwimmen
gehen.
Mein Schwimmziel habe ich dieses Jahr um das Dreifache übertroffen. Mein Darm zickte zwar ab und an,
liess mich aber während dem Schwimmen in Ruhe – dafür bin ich sehr dankbar.
Nebst den Medikamenten für den Darm habe ich auch Hypnose-Sitzungen in Anspruch genommen, um
Altlasten in meinem Kopf aufzuarbeiten. Ja, die Psyche spielt eine grosse Rolle bei CED. Das weiss
ich heute. Es ist jedoch nicht einfach abzustellen, denn jedes schlechte Erlebnis frisst sich ins
Gedächtnis wie ein Parasit.
Und diese Gedanken wird man nicht so schnell los – auch wenn vor Jahren ein Arzt meinte: «Haben Sie
einfach etwas Geduld.»
Weniger Stress
Das hört sich vielleicht etwas schräg an, aber ich versuche, mich vom Darm nicht mehr so unter Druck
setzen zu lassen. Ich trage ausser Haus Windeln – und wenn es passiert, dann passiert es halt.
Ich habe dafür immer eine Tasche dabei, in der sich alles Wichtige für mich befindet. Zudem kennt
kaum jemand besser als ich, wo es überall öffentliche Toiletten gibt.
Ich muss damit leben, denn ich habe keine Wahl. Aber meine Lebensfreude will ich dadurch auf keinen
Fall verlieren.
Der Titel sagt es bereits!
Aufgeben gibt es nicht – ich kämpfe weiter.
Auf der Startseite findet ihr inspirierende Zitate, die zum Nachdenken anregen. Eines davon lautet:
«Zwingt uns das Leben in die Knie, haben wir jederzeit die Wahl: Stehen wir
auf oder bleiben wir am Boden liegen?»
Ich lebe genau nach solchen Prinzipien. Auch wenn mein Körper mir Grenzen aufzeigt, bedeutet das
nicht, dass ich auf alles verzichten muss. Mein Ziel bleibt ein erfülltes Leben. Deshalb akzeptiere
ich meine Situation und versuche, das Beste daraus zu machen.
Ich denke, jeder bekommt im Leben nur so viel aufgebürdet, wie er auch tragen kann – und so wie es
aussieht, bin ich wohl ein echter Weltmeister darin!
Geschrieben für euch.
Herzliche Grüsse
Daniel Paul Planzer
..: letzte Aktualisierung am 9. August 2026 :..