Zehn Mythen rund um Aids

In der Schweiz ist die Verbreitung von HIV/Aids in der Allgemeinbevölkerung im Vergleich mit anderen West-Europäischen Ländern relativ hoch: Rund 0.4% der Bevölkerung sind Träger des HI-Virus. Die Diagnose löst bei den meisten Menschen erst einmal einen Schock aus. Denn noch immer kursieren über das HI-Virus und die Folgen einer Infektion die wildesten Gerüchte. Im Folgenden eine Auswahl der zehn häufigsten.

  1. HIV/Aids ist heilbar
    Die in den letzten Jahren neu entwickelten Medikamente können das Fortschreiten der Krankheit erfolgreich aufhalten, so dass Aids nicht mehr zwangsläufig zum baldigen Tod führt. Viele Leute denken daher, dass HIV/Aids heilbar ist. Das stimmt jedoch nicht, denn die Infektion bleibt lebenslang im Körper, da es immer noch kein Heilmittel gibt, das die Viren vollständig aus dem Körper entfernt.

  2. Um sich zu infizieren, muss man mehrmals mit dem HI-Virus in Kontakt gewesen sein
    Einmal ist keinmal, dieser Spruch gilt für die HIV-Infektion leider nicht. Das Virus muss nicht, kann aber auch schon beim allerersten oder einzigen Kontakt übertragen werden und zu einer Infektion führen.

  3. Ein negativer HIV-Test bietet 100-prozentige Gewissheit, dass man gesund ist
    Der HIV-Antikörper-Test sucht nach Antikörpern gegen das HI-Virus, die das Immunsystem nach einer Ansteckung produziert. Es kann allerdings bis zu drei Monate dauern, bis diese Immunreaktion erfolgt ist. Ob man sich angesteckt hat oder nicht, kann der Aids-Test also erst drei Monate nach dem möglichen Ansteckungszeitpunkt feststellen.

  4. Wer infiziert ist, dem sieht man es an
    Die meisten Menschen bleiben nach der Infektion mit dem HI-Virus häufg beschwerdefrei während mehreren Jahren, selbst ohne Behandlung. Auch eine weit fortgeschrittene Immunschwäche kann mitunter lange Zeit völlig symptomlos bleiben. Sieht jemand gesund aus, kann er also trotzdem HIV-positiv sein und das Virus übertragen.

  5. HIV-Positive dürfen nicht mehr arbeiten, weil das Ansteckungsrisiko zu gross ist
    Grundsätzlich dürfen HIV-positive Menschen jeden Beruf ausüben, auch Gesundheitsberufe wie Arzt oder Krankenschwester. Einige Einschränkungen gibt es aber: Zum Beispiel stellen viele Fluggesellschaften keine HIV-positiven Flugbegleiter ein. Und manche Operationen darf ein HIV-positiver Arzt nicht durchführen, weil das Verletzungsrisiko für ihn zu gross ist.

  6. Sind beide Partner infiziert, sind Kondome beim Sex überflüssig
    Was viele Menschen nicht wissen, ist dass es die Möglichkeit einer Reinfektion gibt. Dabei werden resistente HIV-Stämme von einem Partner auf den anderen übertragen. Das kann die Wirkung der antiretroviralen Medikamente beeinträchtigen. Safer Sex ist daher auch für HIV-positive Partner wichtig.

  7. Wer antiretrovirale Medikamente nimmt, kann niemanden anstecken
    Antiretrovirale Medikamente verhindern, dass das HI-Virus wächst und sich vermehrt. Sie können dazu beitragen, dass die Viruslast (=Anzahl der HI-Viren im Blut) im Körper einer HIV-positiven Person niedrig bleibt. Die betroffenen Personen bleiben dadurch länger gesund. Da aber damit nicht alle Viren aus dem Körper entfernt werden können, ist die Übertragung der HIV-Infektion auf einen gesunden Menschen immer noch wenn auch gering möglich. Da wir aber nicht wissen wer positiv ist, wie seriös jemand behandelt, ist der Schutz bestimmt der richtige Weg.

  8. Eine Ansteckung ist nur beim Sex möglich
    Das HI-Virus ist in Blut, Samenflüssigkeit, Scheidensekret, Wundsekret, Eiter und in der Darmschleimhaut zu finden. über winzige Verletzungen kann der Erreger in den Körper eindringen. Das höchste Risiko besteht tatsächlich beim ungeschützten Geschlechtsverkehr. Aber auch durch den gemeinsamen Gebrauch von Spritzbestecken, unsachgemässes Piercen und Tätowierungen kann eine Infektion geschehen.

  9. HIV-positive Mütter stecken ihre Kinder schon vor der Geburt an
    Das kann, muss aber nicht sein. Antiretrovirale Medikamente reduzieren die Viruslast im Körper. Je geringer sie ist, desto niedriger ist auch das Risiko, die HIV-Infektion auf das Baby zu übertragen. Wenn das Kind dann noch in der 38. Woche der Schwangerschaft per Kaiserschnitt geboren wird und die Mutter nach der Geburt nicht stillt, kann damit die Übertragungsrate auf unter zwei Prozent gesenkt werden.

  10. Man kann sich infizieren, wenn man das gleiche Glas wie ein HIV-Positiver benutzt
    Eine immer noch weit verbreitete Annahme, die aber falsch ist. Küsse, Zungenküsse, Körperkontakte, Hautkontakte, gemeinsames Essen, die gemeinsame Nutzung von Geschirr, Kleidung und Wäsche oder die gemeinsame Nutzung von Schwimmbad, Sauna, Toiletten und Waschraum bergen kein Infektionsrisiko.

Text und Idee sind von fragdenapfel.ch

Nach Anfrage durfte ich den Text verwenden, vielen Dank.